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Kindernotdienst Außenansicht

Willkommen auf der Seite des Kindernotdienstes (KND)
Beratung und Hilfe für Kinder und Eltern
- rund um die Uhr - Telefon: 030 61 00 61

Wir beraten euch,
wenn es Probleme im Zusammenleben mit der Familie, mit Freunden oder in der Schule gibt.

Wir beraten und helfen Ihnen,
wenn Sie im Zusammenleben mit Ihrer Familie Rat und Hilfe brauchen.

Wir bieten euch eine sofortige, kurzfristige Aufnahme,
wenn ihr nicht zu Hause bleiben könnt.

Wir kümmern uns um Ihr Kind,
wenn Sie plötzlich und unerwartet für die Betreuung Ihres(r) Kindes(er) nicht mehr zur Verfügung stehen.

Wir schützen euch
vor Gewalt und Vernachlässigung.

Wir schützen Ihr Kind,
wenn Sie dies im Moment nicht selber können.

Wir helfen euch weiter,
wenn eure Eltern sich heftig streiten oder Gewalt antun.

Wir helfen Ihnen,
wenn Sie sich mit Ihrem Partner streiten und Ihre Kinder darunter leiden.

Wir unterstützen euch,
wenn eure Eltern Sucht- oder psychische Probleme haben.

Wir beraten Kinder und Eltern und Menschen,
die sich um Kinder sorgen..

Wir bieten Hilfe bei Krisen
  • Telefonische und persönliche Beratung
  • Rund um die Uhr 365 Tage im Jahr
  • Krisenintervention vor Ort in den Familien
  • Wir helfen schnell und unbürokratisch
  • Inobhutnahme für alle Kinder unter 14 Jahren
  • Kurzfristige Aufnahme von Kindern in unsere Wohngruppen
  • Anonyme Beratung
  • Beratung bei häuslicher Gewalt
Wir sind für Kinder in Not und Krisen da
  • Für Kinder aus allen Berliner Bezirken
  • Für Kinder aus allen Bundesländern
  • Für Kinder aus dem Ausland

Beratung

KND-Außen

Wer sucht bei uns Hilfe

Der Kindernotdienst steht allen Kindern, die in Not geraten sind oder die einer Kindeswohlgefährdung ausgesetzt sind, als Beratungsstelle und Zufluchtsort und als stadtweit bekannte Anlaufstelle für Kinder von 0 – einschließlich 13 Jahren – rund um die Uhr – zur Verfügung. Der Zugang zu uns sehr unterschiedlich. Kinder melden sich telefonisch oder kommen gleich selbst vorbei. Die Zahl der Selbstmelder steigt mit dem Alter der Kinder. Andere Kinder werden von Eltern, Verwandten, Nachbarn, Freunden oder Passanten begleitet. Auch Mitarbeiter aus Kindergärten, Schulen, Jugendämtern u. a. Einrichtungen nehmen unser Hilfsangebot für Kinder an. Kinder, die im Rahmen polizeilicher Einsätze aufgegriffen werden und deren Erziehungsberechtigte vorübergehend nicht erreichbar sind, werden auf den polizeilichen Dienststellen von uns dort abgeholt oder in den Kindernotdienst gebracht. Für Eltern und Menschen, die sich Sorgen um das Wohl von Kindern machen, besteht ebenfalls rund um die Uhr ein Beratungsangebot.

Der zentrale Arbeitsauftrag für den KND sind die sozialpädagogische Krisenintervention und die Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII sowie die Betreuung und Versorgung der aufgenommenen Kinder.

Mobirise

Beratung und Schutz

Unser Hilfsangebot ist nicht auf eine spezielle Problematik ausgerichtet. Wir stehen mit unserem Beratungsangebot und der Möglichkeit der kurzfristigen Aufnahme allen hilfesuchenden Kindern, Eltern und anderen zur Verfügung. Ziel ist es, akute Gefährdungssituationen für Kinder schnellstmöglich zu beenden oder diesen im Rahmen der aktiven Einbeziehung der Eltern und Kinder und ggf. dem Jugendamt vorzubeugen. Im Rahmen der Beratung bewegen wir uns in dem Spannungsfeld der Krisenberatung und der damit verbundenen Funktion des staatlichen Wächteramtes. (Art. 6 GG) Unabhängig von der Form der Kindeswohlgefährdung spielen im Rahmen der Risikoeinschätzung auch immer die Bereitschaft und die Fähigkeit der Personensorgeberechtigten zur Abwendung der Gefährdung eine große Rolle und bestimmen somit stark das weitere Vorgehen. Obwohl der Verbleib der Kinder in den Familien bei der Überprüfung der familiären Situation einen großen Raum einnimmt, gibt es Situationen, in denen dies nicht möglich ist, was eine Inobhutnahme der Kinder notwendig macht. (§ 42 SGB VIII)

Der KND verfügt über eine Wohngruppe mit bis zu 10 Plätzen für Kinder im Alter von 0 – 13 Jahren während der Inobhutnahme. Neben der Grundversorgung steht gleichrangig der physische und psychische Schutz im Mittelpunkt. Darüber hinaus gilt es über das zuständige Jugendamt eine tragfähige und nachhaltige Lösung der familiären Situation herbeizuführen.

Neben der Beratung von Eltern, Kindern und deren Angehörigen sind wir selbstverständlich Ansprechpartner für alle Menschen, die Situationen beobachten und miterleben, in denen der Verdacht einer Kindeswohlgefährdung besteht oder bestehen könnte.

Das sind die häufigsten Problemlagen
  • Verdacht auf körperliche Misshandlung
  • Verdacht auf seelische Misshandlung
  • Verdacht auf sexuelle Misshandlung
  • Vernachlässigung/Verwahrlosung
  • Verwahrloste Wohnung
  • Erziehungsprobleme/Überforderung
  • Streit um Umgangs - und Sorgerecht
  • Sorge um das Kindeswohl
  • Kinder ohne Aufsicht
  • Elternteil wünscht Inobhutnahme
  • Gewalt zwischen den Eltern (HG)
  • Kind bittet um Inobhutnahme
Diese Aufzählung ist nicht vollständig und soll nur beispielhaft verdeutlichen, dass wir Euch und Ihnen zur Verfügung stehen, sobald die Belange und Rechte von Kindern bedroht sind.
Mobirise

Unser Beratungsansatz

Unsere Arbeit bewegt sich grundsätzlich in dem Spannungsfeld zwischen elterlicher Autonomie (Krisenberatung) und einem u. U. notwendigen Eingriff in das Elternrecht zum Schutz eines Kindes durch eine Inobhutnahme im Sinne einer Gefahrenabwehr. Die aktive Einbeziehung und Beteiligung der Eltern und Kinder spielt sowohl bei der Lösungsfindung als auch bei der Nachhaltigkeit dieser Lösung eine eminent wichtige Rolle. Hierbei wird das Familienumfeld einbezogen, soweit dies möglich ist. Der Kindernotdienst nimmt in diesen Fällen die Funktion der sozialpädagogischen Krisenintervention wahr und versucht bei den Eltern auf evtl. notwendige Hilfen durch das regionale Jugendamt hinzuwirken und sie auf dem Weg zu dem fallführenden Sozialarbeiter zu begleiten. Unsere Maxime und Arbeitsweise beruht auf dem Hintergrund, dass jedes Kind einzigartig ist und der beste Platz zum Aufwachsen eine gute Familie ist.

Dieser Beratungsansatz bezieht die Familie im engeren Sinne in die Suche nach Lösungen mit ein. Wir gehen davon aus, dass die Probleme, die sich zugespitzt nach außen zeigen, im familiären Zusammenhang entstanden sind, dass hier aber auch die Ressourcen für eine Veränderung liegen. Im gemeinsamen Gespräch mit dem Kind, den Eltern und anderen Beteiligten wird überlegt, was jeder zu einer positiven Veränderung beitragen kann und will.

Schützen und unterstützen

Ziel ist nach Möglichkeit die Wiederherstellung einer beziehungsfähigen und damit erziehungsfähigen Familie. Unser Handlungsansatz ist dabei ganzheitlich und von der systemischen Sichtweise geprägt. Dies beinhaltet auch den Grundgedanken, dass das Familiensystem in der Regel mit entsprechenden Lösungsmöglichkeiten für ihr Problem ausgestattet ist, diese aber zum Zeitpunkt der Krise nicht abrufen kann. Unser Ziel ist es, an diese Fähigkeiten zu appellieren, bzw. gemeinsam mit Eltern und Kindern diese zu reaktivieren. Manchmal müssen aber auch Kinder vor den aktuell bestehenden zerstörerischen Kräften geschützt werden. Manche Eltern müssen aber erst (wieder) lernen, dass Schutz, Fürsorge und Verantwortungsübernahme für ihr Kind ihre Aufgaben sind.

Mobirise

Weichenstellung

In Kinderschutzfällen müssen Mindestanforderungen (was darf nicht passieren) der Familie gegenüber klar benannt werden. Somit ist die Beratungssituation auch immer geprägt von der Frage der Gefährdungseinschätzung für das jeweilige Kind. Hierbei gilt es nach Wahrung der Verhältnismäßigkeit einzuschätzen, ob eine Trennung von Eltern und Kind nach dem aktuellen Informationsstand zwingend notwendig erscheint oder ob die Sicherheit des Kindes im familiären Rahmen, zumindest bis zum nächsten Kontakt mit einer Fachkraft, gewährleistet werden kann.

In der Beratungsstelle erfolgt eine erste Einschätzung des Problems. Hier wird mit dem Kind und den Bezugspersonen das weitere Vorgehen besprochen. Bleibt das Kind im Kindernotdienst? Ist es notwendig, an eine andere Einrichtung zu verweisen? Kann das Kind zu den Eltern zurück oder gibt es Möglichkeiten bei Verwandten und Freunden?

Wird das Kind vom Kindernotdienst in Obhut genommen, so steht ihm eine sichere, geeignete Unterbringungsmöglichkeit in einer geborgenen Atmosphäre zur Verfügung.

Mobirise

Zusammenarbeit mit den Eltern

Im Rahmen einer Krisenberatung bemühen wir uns gemeinsam mit den Eltern entsprechende Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten und damit den Weg für ein möglichst konfliktfreies, familiäres Zusammenleben zu ebnen. Kommt es, in welchen Fällen auch immer, zu der Inobhutnahme eines Kindes, erfolgt automatisch eine Kontaktaufnahme zu den Personensorgeberechtigten, in der die Eltern über den Aufenthalt ihres Kindes informiert und die Aufenthaltsgründe mit diesen thematisiert werden. Ziel ist es hierbei, die Eltern an der Mitwirkung zur Abklärung der Ursachen für den Aufenthalt ihres Kindes zu gewinnen, sie für die Beseitigung der schädigenden Einflüsse zu sensibilisieren und darüber hinaus einen entsprechenden Hilfebedarf zu formulieren, der dann über das zuständige Jugendamt konkretisiert werden kann.

Mobirise

Kooperation mit dem örtlichen Jugendamt

Die Kooperation mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen erfolgt immer dann, wenn eine Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann oder vorliegt. Nach den berlineinheitlichen Verfahrensstandards auf der Grundlage des § 8a SGB VIII wird das zuständige Jugendamt in schriftlicher und mündlicher Form über die drohende oder vorliegende Kindeswohlgefährdung informiert, sodass sofort weitere Maßnahmen zur Sicherung des Kindeswohls eingeleitet werden können. Darüber hinaus stellen wir auf Wunsch der Eltern den Kontakt zum zuständigen Jugendamt her, damit diese weitere Hilfen in Anspruch nehmen können.


Grundlagen der Arbeit

Mobirise

Standort Gitschiner Straße in Friedrichshain-Kreuzberg

Der Kindernotdienst steht allen Kindern und Eltern, die in Not geraten sind oder die einer akuten Kindeswohlgefährdung ausgesetzt sind, als Zufluchtsort und als stadtweit bekannte Anlaufstelle für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres – rund um die Uhr – zur Verfügung.

Aufgaben

Der Kindernotdienst besteht aus zwei voneinander getrennten Gebäuden. In einem der Gebäude bietet eine Wohngruppe bis zu 10 Kindern während der Inobhutnahme Schutz. Neben der Betreuung steht gleichrangig die physische und psychische Versorgung im Mittelpunkt. Eine Kinderkrankenschwestern (Mo-Fr 7-20 Uhr) stehen für die medizinischen Fragen und Belange insbesondere der Babys und Kleinkinder zur Verfügung. Die physische Verfassung und der Entwicklungsstand werden bei allen Kinderschutzfällen dokumentiert. Im Nebengebäude befindet sich die Beratungsstelle des Kindernotdienstes sowie die Hotline-Kinderschutz und die Fachstelle Kinderschutz. Die zentralen Arbeitsaufträge für den KND sind die sozialpädagogische Krisenintervention und die Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII sowie die Versorgung und Betreuung der Kinder. In der Beratungsstelle gehen alle Anrufe ein, die häufig die erste Kontaktaufnahme zur Beratung sind.

Berliner Kinderschutzgesetz.pdf


Aus der Praxis des Kindernotdienst – Fallbeispiele:

Lukas, 2 Jahre

Lukas wurde im April vom KND in Obhut genommen. Beamten eines Nordberliner Polizeiabschnitts baten uns, das Kind aus der Wohnung abzuholen, da die Mutter aufgrund erheblichen Alkoholkonsums z. Zt. nicht in der Lage sei, ihr Kind zu versorgen.

Nachdem Frau F. von der Polizei mitgeteilt wurde, dass ihr Kind nun vom KND abgeholt werde, gab sie an, sich vom Balkon stürzen zu wollen.

Beim Eintreffen unserer Kolleginnen in der Wohnung von Frau F. spielte Lukas friedlich im Wohnzimmer. Die Mutter war mit den Polizeibeamten in einem anderen Raum. Da Frau F. alkoholisiert und sehr aggressiv war, konnte in dieser Situation kein beratendes Gespräch geführt werden.

Frau F. wurde von den Polizeibeamten zum Griesinger Krankenhaus gebracht. Unmittelbar nach ihrer Einlieferung erkundigte sie sich im KND nach ihrem Kind und machte deutlich, dass sie Lukas am nächsten Tag wieder zu sich nehmen möchte.

Lukas konnte die Situation nicht verstehen, er war irritiert, hat sehr geweint und nach seiner Mutter gerufen. Auch beim Eintreffen in unserer Kindergruppe war er noch sehr verängstigt, weinte, zitterte und hatte eingenässt, lies sich nur sehr schwer beruhigen...

Lukas wirkte in vielen Bereichen (Motorik, Sprache, Kognition, Spiel- und Sozialverhalten) nicht ganz altersgemäß entwickelt. Während seines Aufenthaltes im KND war er in seinen Interaktionen eher passiv und verhalten. Er nahm nur minimal Kontakt zu seiner Umwelt auf (auch zu Gegenständen). Lukas mied die Nähe zu den Betreuern und hielt kaum Blickkontakt. Auch anderen Kindern gegenüber zeigte er sich zurückhaltend und abweisend. Er ließ niemanden an seinem Spiel teilhaben. Lukas konnte seine Bedürfnisse und Wünsche nur schwer artikulieren, er nutzte seinen Finger zum Zeigen und stieß vereinzelt einige Laute aus. Beim Laufen verlor Lukas oft das Gleichwicht. Das Abschätzen von Entfernungen bereitete ihm große Schwierigkeiten. Vor dem Waschen schien Lukas Angst zu haben, besonders vor der Badewanne. Beim Wechseln der Windeln wirkte er angespannt, bei zügigen Bewegungen reagierte er mit verstärktem Augenzwinkern und hielt sich manchmal die Hände vor sein Gesicht. 
Sein Interesse konnte aber bei den Mahlzeiten geweckt werden. Das Essen bereitete ihm große Freude. Er konnte selbstständig essen und trank aus einer Schnabeltasse. 
Frau F. besuchte ihren Sohn. Dabei wirkte sie jeweils ruhig und klar. Sie spielte je eine Stunde mit Lukas, was er sichtlich genoß. Begrüßung und Abschied verliefen erstaunlich "problemlos". Er winkte seiner Mutter zu und ging mit der Betreuerin wieder in die Kindergruppe. Nach dem Abschied, wenn Lukas außer Sichtweite war, fing Frau F. an zu weinen. Im Gespräch machte sie deutlich, wie geschockt sie noch war, konnte aber auch ganz klar benennen, dass der Rückfall in ihrer Verantwortung liege und wie sehr sie diesen bereue. Gleichzeitig drückte sie ihre Befürchtung darüber aus, dass sie Lukas nicht wieder zurückbekommen könnte. Frau F. sprach offen über ihre Sucht und dass sie bis zum aktuellen Rückfall 14 Monate lang abstinent gewesen sei. Die Gründe für den erneuten Rückfall wolle sie mit Hilfe einer Suchtberatung herausfinden. Sie machte sich zudem Selbstvorwürfe und sagte, dass sie schlimmer als ihre eigene Mutter ist, die ebenfalls Alkoholikern sei. Frau F. erzählte, dass sie Kontakt zu zwei „Suchtprojekten“ habe. Ihr größtes Ziel sei es, keinen Rückfall zu haben und Lukas zurück zu bekommen.

Frau F. ist bereit, Hilfe anzunehmen, insbesondere die geplante Familienhilfe und bei der Bearbeitung ihrer Suchtproblematik. Sie möchte Lukas Entwickung unterstützen, mit ihn mehr unternehmen und mit ihm spielen. Auch sieht sie die Voteile eines regelmäßigen Kitabesuches und freut sich nun über den sofortigen Kitaplatz durch das Jugendamt.
Zu Lukas ängstlichem und passivem Verahlten konnte oder wollte Frau F. nichts sagen. Es war aber deutlich zu spüren, dass sie etwas in ihrem und auch seinem Leben ändern wollte...
Lukas wurde nach Absprache mit dem Jugendamt nach 5 Tagen zurück in den Haushalt der Mutter entlassen. Die Familienhilfe begann am selben Tag.
Dennis, 9 Jahre

Dennis wurde von Beamten des Polizeiabschnitts 27 kurz nach Mitternacht in den KND gebracht. Gegen 23 Uhr waren Dennis und seine Mutter von der Polizei am Breitscheidtplatz angetroffen worden. Dennis Mutter war stark betrunken. Mit 2,46 Promille im Blut wie später gemessen wurde, konnte sie sich nicht mehr verständlich artikulieren.

Dennis erzählte im Kindernotdienst, dass sie vor einiger Zeit aus Sachsen-Anhalt nach Berlin gekommen waren. Seine Mutter war in Berlin polizeilich gemeldet, er selber hatte keine gültige Meldadresse. Einen Schulplatz hatte er auch noch nicht, und seine Mutter noch keine Arbeit. Dennis machte augenscheinlich einen gelösten Eindruck. Es schien fast, als sei es für ihn nicht ungewöhnlich, dass seine Mutter von der Polizei mitgenommen, und er zu uns gebracht wurde. Er spielte am nächsten Morgen stundenlang und voller Hingabe mit einer Holzeisenbahn. Als wir ihm sagten, dass er erstmal in eine andere Wohngruppe kommt, nahm er auch das augenscheinlich "problemlos" auf. Er wirkte ein wenig, als habe er aufgeben sich dafür zu interessieren, was als nächstes geschieht... 
Auf dem Weg sagte er, dass er gerne noch geblieben wäre.

In Absprache mit dem zuständigen Jugendamt wurde Dennis in eine Clearingstelle begleitet.
Patrick, 2 ½ Jahre und Shirley, 13 Monate

Eine Nachbarin der Familie rief um 9.40 Uhr im KND an, um sich beraten zu lassen. Sie habe mitbekommen, dass die Mutter von Patrick und Shirley völlig betrunken sei. Die Anruferin ging davon aus, dass Frau D. niemanden in die Wohnung ließe. Gemeinsam mit zwei Beamten des zuständigen Polizeiabschnitts fuhren zwei Mitarbeiter des KND zu der angegebenen Adresse.

Frau. D. öffnete die Tür und ließ uns in die Wohnung. Sie erzählt, dass ihr Bruder sie zum Trinken überredet habe. Sie gab an, seit der Geburt von Shirley trocken und heute erst rückfällig geworden zu sein. Zunächst stimmte sie zu in eine Klinik zu gehen und die Kinder solange im KND zu lassen. Nachdem wir gemeinsam Bekleidung und andere Dinge für die Kinder zusammengesucht hatten, kippte ihre Stimmung und sie wurde aggressiv und wollte Shirley nicht los lassen. Sie ließ sich mit dem Kind auf den Boden fallen und sprach davon, sich umzubringen.

Sie wurde in eine Klinik gebracht, aus der sie sich einige Stunden später selbst wieder entließ.

Die Kinder wurden im KND aufgenommen und zwei Tage später in einer Pflegestelle untergebracht. Da Shirley bisher offenbar gestillt wurde, war ihre Versorgung mit Flüssigkeit äußerst problematisch. Das Kind verweigerte zunächst jegliche Nahrung. Es war unbekannt wo die Mutter sich aufhielt. Als sie sich am folgenden Morgen meldete, bot sie an, abgepumpte Milch für ihre Tochter zu bringen. Leider kam sie dann nicht in den KND. Unsere Kinderkrankenschwestern wollten sie auf die gesundheitsgefährdende Wirkung von Alkohol für Kinder hinweisen. Fr. D. hatte am Tag zuvor 2,78 Promille Alkohol im Blut gehabt und es war nicht davon auszugehen, dass sie nach ihrer Selbstentlassung aus dem Krankenhaus abstinent gewesen war. Bis zur Verlegung der Kinder konnten wir keinen Kontakt mehr mit ihr aufnehmen.

Marcel, 12 Jahre

Ein Beamter eines Berliner Polizeiabschnittes meldet sich im KND und kündigte den 12 jährigen Marcel an. Die Wohnung der Familie sei in einem verwahrlosten Zustand. Laut Aussage der Polizei soll die Wohnung mit Tierkot, Essensresten, schmutziger Wäsche etc. verunreinigt sein. Da der Junge seit einigen Tagen der Schule unentschuldigt fern geblieben war, hat die Schule die Polizei informiert. Die Beamten informierten das zuständige Jugendamt und brachten das Kind unverzüglich in den KND. Eine Kollegin vom zuständigen Jugendamt traf zu einem späteren Zeitpunkt die Mutter, Frau L., in der Wohnung an. Sie habe einen völlig überforderten Eindruck gemacht und die Wohnung sei tatsächlich unbewohnbar gewesen. Frau L. meinte 24 Stunden zu benötigen, um die Wohnung wieder in Ordnung zu bringen.

Im Kindernotdienst wirkte Marcel erstmal traurig und bedrückt. Wir erklärten ihm, dass seine Mutter eine Unterstützung bekomme, auch damit sie die Wohnung wieder in Ordnung bringen kann. Er schien erleichtert zu sein, als wir ihm versicherten, dass wir ihm und seiner Mutter helfen möchten und er wieder zu seiner Mutter kann, sobald alles besprochen und geregelt ist.

Marcel konnte sich nach und nach auf die anderen Kinder und auf die Betreuer im KND einlassen. Viel reden wollte er nicht. Er gab uns zu verstehen, dass er am liebsten wieder nachhause wolle. Er vermisse seine Mutter und mache sich Sorgen um sie. Dass er nicht in der Wohnung bleiben durfte, konnte er aber verstehen.

Marcel blieb während seines kurzen Aufenthaltes hier sehr zurückhaltend. Als ihm mitgeteilt werden musste, dass er zunächst in eine andere Einrichtung entlassen würde, da sich die „Aufräumarbeiten“ nicht so schnell erledigen ließen, zeigte er sich verunsichert. Mit der Erklärung, warum seine Entlassung aus dem KND in eine andere Einrichtung notwendig ist, konnte Marcel etwas anfangen.

Auf dem Weg in die Kriseneinrichtung fragte Marcel dennoch immer wieder nach, wie lange er denn woanders wohnen müsse...
Michaela P., 12 Jahre – Donnerstag, 19.00 Uhr

Im Mai 2006 kam Michaela das 1. Mal im Alter von 12 Jahren in den Kindernotdienst. Ihre Betreuerinnen von der sozialen Gruppenarbeit begleiteten sie. Die Mutter hatte sich vor 4 Wochen von Michaelas Vater getrennt und war mit ihrer Tochter zu ihren Eltern gezogen. Die Wohnsituation war sehr beengt und emotional belastend. Frau P. begann, laut Michaela, bereits am Vormittag Bier zu trinken. Abends war sie dann regelmäßig betrunken. Michaela berichtete in die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen ihrer Mutter und ihrem Großvater geraten zu sein. Ihre Mutter ging immer häufiger weg und ließ sie bei den Großeltern zurück. Michaela äußerte uns gegenüber den Wunsch eine Pflegefamilie zu finden.

Sie sagte: "Ich möchte bei jemanden leben, der sich um mich kümmert."

In weiteren Gesprächen erfuhren wir, dass der Vater gewalttätig gegenüber seiner Frau war. Neben der häuslichen Gewalt, die von ihm ausging und die das Kind miterleben musste, hatte er ebenfalls ein massives Alkoholproblem.

Aktuell war Michaela sehr enttäuscht von ihrer Mutter.

Die beiden hatten eine Verabredung gehabt: Michaela hört auf zu rauchen und ihre Mutter hört auf zu trinken. Sie hatte alles versucht, um ihre Mutter „zu retten“. Sie wirkte auf den ersten Blick „reif“, konnte sich gut ausdrücken und war freundlich. Sie wurde nach fünf Tagen in einer Clearingstelle untergebracht. Dort sollte gemeinsam mit ihrer Familie eine Perspektive erarbeitet werden.

Timeline von Michaela

Juni 06

Michaela wurde zum 2. Mal im KND aufgenommen. Sie lebte wieder zu Hause, mit beiden Eltern. Ihr Vater hatte sie angegriffen, an die Wand gepresst und anschließend versucht ihren Kopf in die Waschmaschine zu drücken.

In der Clearingstelle hatte es ihr nicht gefallen. Sie habe sich „eingeengt“ gefühlt, deshalb sei sie zurück gegangen, so wie ihre Mutter auch. Die Situation zu Hause habe sich nicht verbessert. Michaela zeigte sich verändert, war häufiger genervt und gelangweilt. Sie wünschte sich immer noch und wieder eine Pflegefamilie für sich. Michaela wurde erneut in eine Clearingstelle gebracht, diesmal außerhalb Berlins.

Juli 06

3. Aufnahme. Michaela war aus der Clearingstelle weggelaufen. Sie hatte Konflikte mit den Betreuern, weil sie „keine Grenzsetzung“ akzeptierte. Immer wieder geriet sie in „Machtkämpfe“ und entzog sich dann. Sie lief weg – nach Hause. Ihre Mutter lehnte eine Aufnahme ab. Die Betreuer zeigten Beständigkeit und ihre Bereitschaft sich mit Michaela auseinander zu setzen. Sie ging zurück.

Anfang September 06

4. Aufnahme. Michaela lief erneut weg, sie war mittlerweile in einem Heim im Norden Brandenburgs untergebracht. Der Vater war betrunken zu Hause, er rief die Polizei an und ließ Michaela zurück in die Clearingstelle bringen.

Dort drohte sie sich umzubringen. Sie „verlangte“ in den KND gebracht zu werden. Michaela wurde in einer Klinik vorgestellt und anschließend zu uns gebracht.

Nach einigen Tagen und vielen Telefonaten wollte sie wieder zurück in die Einrichtung.

Ende September 06

5. Aufnahme. Bei einem Besuch der Mutter im Heim kam es zum Streit. Michaela hatte Geburtstag. Die Mutter war weinend weggelaufen, Michaela auch. Sie kam in den KND.

Oktober 07

Michaela kam selbst in den KND. Es sei „so streng“ dort in der Wohngruppe und sie vertrage sich nicht mit den anderen Kindern. Sie versuchte sich immer wieder den Regeln zu entziehen, ging aber auch immer wieder zurück.

August 08

Im August hatten wir lange nichts von Michaela gehört, als sie zu ihrer Mutter nach Berlin beurlaubt wurde. Ihre Mutter hatte sich inzwischen von Michaelas Vater getrennt und lebte mit einem neuen Freund zusammen. Wegen dieses Mannes wollte Michaela nicht bei ihrer Mutter übernachten. Sie kam in den KND, weil ihr Vater sie nicht hereinlassen wollte.

November 08

Gemeinsam mit einem anderen Mädchen war Michaela heimlich weggelaufen. Sie waren erst auf den Bahngleisen und später auf der Landstraße. anschließend sind sie per Anhalter von einem LKW-Fahrer mitgenommen worden.

Michaela wirkte sehr verändert. Sie trat provozierend auf und drohte einige Male damit auch von hier abzuhauen.

Sie erzählte hier über ihr Leben in der Wohngruppe, in der sie „halbwegs zurecht“ komme. Sie gehe regelmäßig zur Schule und zwei Mal die Woche „müsse“ sie mit ihrer Therapeutin sprechen. Das sei anstrengend.

Sie ist starke Raucherin und fühlt sich vom Rauchverbot in der Einrichtung am meisten „genervt“. Letztlich ging sie wieder in ihre Wohngruppe zurück.

© 2018 Berliner Notdienst Kinderschutz