Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notdienste

Wohnbereich im Jugendnotdienst

klären die akute Gefährdungssituation und übernehmen die Verantwortung für deine Sicherheit. Wenn nötig nehmen wir dich aus deiner Familie heraus. Das ist dann eine Inobhutnahme (wir nehmen dich in unsere Obhut). Meistens sind Eltern mit dieser Maßnahme einverstanden. Nur selten muss gegen den Willen von Sorgeberechtigten entschieden werden.

Unter einer Kindeswohlgefährdung versteht man...


Angelika erzählt:

Eines Nachts haben mein Bruder Mark und ich es nicht mehr ausgehalten bei unserer Mutter. Wir sind zu unserem großen Bruder Moritz gegangen, der schon eine eigene Wohnung hat.

Moritz rief am nächsten Morgen im JND an und bat um Hilfe, weil er uns nicht beide für immer bei sich aufnehmen kann. Wir wurden abgeholt und in den JND gebracht.

Eine Beraterin hat mit uns beiden gesprochen.

Sie wollte wissen, warum wir weggelaufen sind. Mark und ich lieben unsere Mutter. Es war schwer einer fremden Person zu erzählen, wie es bei uns zu Hause ist. Wir wollten nicht, dass sie denkt, dass unsere Mutter schlecht ist. Aber sie trinkt. Manchmal schlägt sie uns, wenn sie getrunken hat, manchmal torkelt sie so, dass sie gegen Tische und Stühle fällt und sich weh tut. Wir sind beide oft traurig. Und ich kann oft nicht einschlafen, weil ich mir Sorgen mache, wie es meiner Mutter geht. Ich komme deshalb in der Schule nicht mehr mit, habe oft Kopfschmerzen und bin so müde. Wir haben unsere Mutter gebeten, Hilfe zu holen. Aber sie sagte, wenn wir jemanden erzählen, dass sie trinkt, sind wir nicht mehr ihre Kinder.

Deshalb haben wir lange niemanden etwas gesagt. Unser großer Bruder und unsere große Schwester, die wissen, was los ist. Die kennen das noch von früher, als sie noch mit uns lebten. Die sagen schon lange, dass wir raussollen. Aber weggehen ist schwer, ich hänge so an ihr, trotz allem und Mark auch. Aber wenn sie sich nicht helfen lässt...

Die Beraterin hat bei unserer Mutter angerufen und gesagt, dass wir bei ihr sind und gefragt, ob sie sich vorstellen kann, warum wir im Notdienst sind. Mama hat sofort gesagt: wegen meines Trinkens. Also weiß sie, was los ist. Sie meinte, sie werde mit dem Trinken aufhören. Die Beraterin meinte, wie wäre es mit gleich. Und wirklich meine Mutter ist ins Krankenhaus gefahren und hat sich auf die Warteliste für eine Entgiftung setzen lassen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie das macht. Die Beraterin sagte, dass wir richtig gehandelt haben, weil durch unser Weggehen unsere Mutter gezwungen wird, sich zu entscheiden. Aber ich fand auch toll, dass sie uns nicht unter Druck gesetzt hat, sondern uns gesagt hat, dass wir uns Zeit lassen können zu entscheiden, was wir machen wollen und dass wir jederzeit auch wieder nach Hause könnten.