In vielen Fällen besteht Unsicherheit

wie die Anrufer ihre Sorgen und Beobachtungen einschätzen sollen. Gemeinsam mit der Kinderschutzfachkraft werden die gewichtigen Anhaltspunkte besprochen. (Standardisiertes Kinderschutzverfahren - vgl. Schutzauftrag § 8a SGB VIII).

Zum Beratungsangebot der Hotline-Kinderschutz gehört auch, unter Abwägung aller genannten Fakten, gemeinsam zu überlegen, was der Anrufer selbst tun kann. Die eigenen Handlungsmöglichkeiten des Anrufers werden bei der Beratung immer berücksichtigt. Dabei ist es wichtig, die Grenzen des Handelns deutlich aufzuzeigen.

Am Ende eines Anrufes legt die Kinderschutzfachkraft fest, ob es sich lediglich um eine Beratung handelt oder Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Entsprechend erfolgt bei einem Kinderschutzfall eine kollegiale Beratung mit einer zweiten Fachkraft.

Sofern ein Kinderschutzfall nicht ausgeschlossen werden kann und der Anrufer Angaben zum Aufenthaltsort des Kindes benennt, wird das zuständige Jugendamt oder bei Nichterreichbarkeit der Kinder- oder Jugendnotdienst eingeschaltet.

Gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung sind Hinweise oder Informationen über Handlungen gegen Kinder und Jugendliche oder Lebensumstände, die das leibliche, geistige oder seelische Wohl des Minderjährigen bedrohen bzw. gefährden. In Abhängigkeit davon, inwieweit die Eltern gewillt und in der Lage sind die Gefahr für ihr Kind abzuwenden, (vgl. § 1666 BGB) werden ggf. weitere Maßnahmen zur Sicherheit des Minderjährigen eingeleitet.


Die Information über eine Kinderwohlgefährdung kann entweder über "Fremdmelder" oder "Selbstmelder" erfolgen.


Erscheinungsformen einer Kindeswohlgefährdung:

  • körperliche und seelische Vernachlässigung
  • seelische Misshandlung
  • körperliche Misshandlung
  • sexuelle Gewalt
  • häusliche Gewalt (Partnergewalt)
  • verwahrloste Wohnung

Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung:

  • nicht plausibel erklärbare sichtbare Verletzungen oder Selbstverletzungen
  • körperliche oder seelische Krankheitssymptome
  • unzureichende Versorgung (Flüssigkeits- oder Nahrungszufuhr)
  • fehlende ärztliche Vorsorge oder notwendige Behandlung
  • Hygienemängel z. B. Körperpflege, Kleidung, Wohnung
  • mangelnde altersentsprechende Aufsicht oder unbekannter Aufenthalt des Kindes
  • fortgesetzte, unentschuldigte Schulversäumnisse
  • Gewalt in der Familie oder im Lebensumfeld des Kindes